Schizophrenie durch Mikro-RNA-Mangel

25. Januar 2017 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Sungkun Chun et al.: Thalamic miR-338-3p mediates auditory thalamocortical disruption and its late onset in models of 22q11.2 microdeletion. Nature Medicine 23, 01/2017, S. 39-48.

Schizophrenie ist eine komplexe Krankheit. Für ihr Auftreten sind meist mehrere Faktoren zugleich verantwortlich, wobei genetische Anlagen und Umwelteinflüsse eine Rolle spielen. Menschen mit einer bestimmten Mutation (22q11DS) erkranken beispielsweise mit einer recht hohen Wahrscheinlichkeit im späten Jugend- oder frühen Erwachsenenalter an dem Leiden, bei dem man in akuten Phasen Stimmen hört und andere Halluzinationen und Wahnvorstellungen hat. Jetzt konnten Forscher in Experimenten mit Mäusen, die die gleiche Mutation besitzen, eine epigenetisch aktive Mikro-RNA als Mitspieler in diesem Geschehen identifizieren.

Die Mikro-RNA miR-338-3p hemmt die Übersetzung des Gens für einen Rezeptor des Hirnbotenstoffs Dopamin in jener Gehirnregion, die akustische Eindrücke verarbeitet. Die mutierten Tiere bilden von Geburt an geringere Mengen dieser Mikro-RNA, und weil dessen Produktion im Laufe des Lebens sinkt, scheint gegen Ende der Adoleszenz eine kritische Menge unterschritten zu werden. Von da an werden im Hörzentrum zu viele Dopaminrezeptoren gebildet, und es kommt zu den Halluzinationen. Nun hoffen die Forscher, dass man zumindest bei jenen Menschen, deren Erkrankung eine ähnliche Ursache hat, durch die künstliche Gabe von miR-338-3p die Krankheit vergleichsweise nebenwirkungsfrei kurieren kann. Bei den Mäusen hat dieser Ansatz jedenfalls funktioniert.

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