Potenzielles Mittel gegen Prader-Willi-Syndrom

17. Januar 2017 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Yuna Kim et al.: Targeting the histone methyltransferase G9a activates imprinted genes and improves survival of a mouse model of Prader–Willi syndrome. Nature Medicine, 26.12.2016, Online-Vorabpublikation.

Das Prader-Willi-Syndrom ist eine seltene Entwicklungsstörung des Menschen. Sie tritt bei etwa einer von 15.000 Geburten auf, führt zu Lernbehinderungen, starkem Übergewicht, verringerter Körpergröße sowie verkürzter Lebenserwartung und ist bislang unheilbar. Auslöser ist der Ausfall eines bestimmten Gens auf jenem Chromosom 15, das vom Vater geerbt wurde. Der Ausfall kann entweder auf eine genetische Mutation zurückgehen oder darauf, dass das Gen fälschlicherweise epigenetisch stummgeschaltet ist. Auf dem mütterlichen Chromosom 15 findet diese Imprinting genannte, geschlechtsabhängige Stummschaltung natürlicherweise statt und ist wichtig für eine gesunde Entwicklung. Fällt zusätzlich aber auch das bei gesunden Menschen immer aktivierbare väterliche Gen aus, kommt es zum Syndrom.

Jetzt haben Forscher aus den USA bei Mäusen mit Prader-Willi-Syndrom epigenetische Medikamente getestet, die den Histon-Code im Erbgut so verändern, dass nicht aktivierbare Gene wieder zugänglich werden. Es handelt sich um Histonmethyltransferase-Hemmer (G9a-Inhibitoren), also Substanzen, die Enzyme blocken, die Methylgruppen an Histone anbauen. Auf diesem Weg gelang es offenbar, das per Imprinting abgeschaltete mütterliche Gen zu aktivieren, dessen Genprodukt Prader-Willi-Patienten fehlt. Sowohl in den Mäusen als auch in Kulturen menschlicher Zellen funktionierte der Ansatz. Die Mäuse lebten daraufhin länger und entwickelten sich gesünder als ohne das Medikament. Damit wurde erstmals gezeigt, dass man das Prader-Willi-Syndrom und ähnliche Imprinting-Störungen wie das Angelman-Syndrom grundsätzlich mit einer epigenetischen Therapie behandeln kann. Und es zeigte sich, dass zumindest die am Prader-Willi-Syndrom beteiligten Gene bei der gesunden Entwicklung von Maus und Mensch per Modifikation der Histone abgeschaltet werden.

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