Intro zur Ausgabe 2/17, Mai 2017

30. Mai 2017 | Von | Kategorie: intro

Die Wissenschaftler, die sich mit der Erforschung der transgenerationellen epigenetischen Vererbung beschäftigen, haben es schwer. Wenn sie nicht gerade mit Pflanzen arbeiten, bei denen die Existenz ihres Forschungsgebiets unbestritten ist, dann ernten sie immer wieder Kritik: Sie würden ihre Daten überinterpretieren, lautet noch der harmloseste Vorwurf. Sie opferten ihre wissenschaftliche Integrität auf den Jahrmarkt der öffentlichen Aufmerksamkeit, ist schon eine wesentlich gemeinere Anschuldigung. Immer mehr konservative Genetiker, aber auch ausgewiesene und eher modern denkende Epigenetiker machen ihren Kollegen sowie den um Öffentlichkeit heischenden Wissenschafts-Magazinen und den Medien den Vorwurf, die Erkenntnisse zur möglichen generationenüberschreitenden Vererbung von Umweltanpassungen aufzubauschen.

Ich denke, diese Kritik ist unberechtigt. Das Wissenschaftsgebiet ist nun mal so spannend und hat so weit reichende Konsequenzen gerade auch für uns Menschen, dass das große Interesse nur zu verständlich ist. Die Vehemenz, mit der die Kritik an der angeblichen methodischen Unzulänglichkeit der Studien und der Überinterpretation der Daten geäußert wird, lässt meines Erachtens sogar einen ganz anderen Schluss zu: Die Belege für die Existenz einer transgenerationellen epigenetischen Vererbung bei Tieren werden immer besser. Den Gegnern gehen offenbar die Argumente

In meinem gerade erschienenen Buch Gesundheit ist kein Zufall habe ich eine Reihe der wichtigsten Resultate zu diesem Forschungsgebiet präsentiert. Und ich habe ausgeführt, was diese Ergebnisse – sofern sie denn eines Tages auf uns Menschen übertragen werden können – für uns bedeuten. Nun gibt es neue, fast schon sensationell anmutende Ergebnisse: Fadenwürmer vererben die Anpassung an eine erhöhte Umgebungstemperatur über mindestens 14 Generationen. Fruchtfliegen vererben ihre epigenetisch kodierte Augenfarbe in stabilen Linien über viele Generationen hinweg. Die Gene der äußerlich so verschiedenen Tiere bleiben dabei identisch. Das Merkmal lässt sich sogar in Wildtypen des Tieres einkreuzen und es verschwindet, wenn man ihm seine epigenetische Basis raubt.

Lesen Sie mehr zu diesen Erkenntnissen in einem ausführlichen Artikel in diesem Newsletter. Und ganz ehrlich: Ich finde, die Kritiker der transgenerationellen Epigenetik sollten allmählich etwas kleinere Brötchen backen.

Herzlich, Ihr Peter Spork

Bildrechte: Thomas Duffé

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