Epigenetisches Mittel gegen Herzkrankheit

19. Februar 2016 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Janika Viereck et al.: Long noncoding RNA Chast promotes cardiac remodeling. Science Translational Medicine 8, 17.02.2016, 326ra22.

Manche Herzkrankheiten führen zu einer Hypertrophie, also zu einer gefährlichen Verdickung von Herzmuskel und Herzkranzgefäßen aufgrund übermäßigen Zellwachstums. Sie bewirkt oft Herzversagen und endet nicht selten tödlich. Jetzt entdeckte ein deutsch-britisch-niederländisches Forscherteam bei Mäusen ein epigenetisch aktives Molekül, das das verstärkte Zellwachstum offenbar per RNA-Interferenz antreibt. Die Kardiologen gaben der langen nichtkodierenden RNA (lncRNA) den Namen cardiac hypertrophy-associated transcript, kurz Chast. Vermutlich blockiert das Molekül den natürlichen Abbau überalterter Herzmuskelzellen.

Dann testeten die Forscher eine speziell angefertigte RNA, die ebenfalls per RNA-Interferenz die gefährliche lncRNA ausschaltet, bevor diese Schaden anrichten kann. Und tatsächlich verhinderte und heilte das Mittel ohne sichtbare Nebenwirkungen die Hypertrophie des Herzens bei Mäusen. Zudem spürten die Forscher ein menschliches Pendant zu Chast auf, CHAST genannt. Es war sowohl in Gewebe aus verdickten menschlichen Herzkranzgefäßen als auch in menschlichen Herzstammzellen, die zu verstärktem Wachstumm angeregt worden waren, besonders zahlreich vorhanden. Deshalb glauben die Kardiologen, nun ein viel versprechendes Ziel für die zukünftige Vorbeugung und Behandlung menschlicher Herz-Hypertrophie gefunden zu haben.

Viereck_Thun

Foto: Erstautorin Janika Viereck vom Institut für Molekulare und translationale Therapiestrategien der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) mit dem Institutsleiter Professor Dr. Dr. Thomas Thum (Bildrechte: MHH/Kaiser).

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